Iris
“Die Orchidee” des kleinen Mannes.
Den Iris wird eine kurze Blütezeit nachgesagt, Karl Foerster hingegen meinte, dass die Blütezeit "vom Karneval bis zum letzten Amselsang im Juli" reiche. Dies entspricht den Tatsachen, wenn man die Arten entsprechend aussucht und anwendet.
Schon im Januar schauen die dicken Knospen von Iris histroides, unter dieser Bezeichnung sind die Pflanzen noch immer im Handel, obwohl sie schon vor einigen Jahren in Iridodictyum histroides umbenannt wurden, aus dem Boden. Bei günstiger Witterung blüht diese Art Mitte Februar mit 5 bis 8 cm hohen königsblauen Blüten. Die Hängeblätter haben eine weiße Mitte und einen goldgelbe Rippe. Die Zwiebeln vermehren sich stark, die Samenkapseln stecken teilweise im Boden und tragen auch zur Vermehrung bei. Diese Art ist ungewöhnlich widerstandsfähig, auch die offene Blüte widersteht starkem Frost. Die Knospen sind leider ein willkommenes Schneckenfutter.
Iris danfordiae, korrekt Iridodictyum danfordiae, blüht Ende Februar/Anfang März. Die Domblätter sind kaum ausgeprägt. Ca. 10 cm hoch erheben sich die gelben Blüten über die kantigen Blätter, die nach der Blüte 30 bis 40 cm hoch werden, was ein Manko darstellt. Nach der Blüte zerfällt die Zwiebel in viele kleine Nebenzwiebeln, die erst nach einigen Jahren blühen. Es lohnt sich nicht auf die Blüte der kleinen neuen Zwiebeln zu warten, viele verschwinden in einem feuchten Herbst oder Winter. Da die Zwiebeln im Herbst sehr preiswert angeboten werden, ist eine Neuanpflanzung vorteilhafter.

Gleichzeitig oder im Anschluß erscheinen die Blüten von Iris reticulata, eine duftende Zwiebeliris aus dem Kaukasus und den angrenzenden Gebieten. Das Epitheton bezieht sich auf die netzartige Zeichnung der trockenen Zwiebel. Die tiefviolettblauen Blüten mit den goldgelben Mittelstreifen und der weißen Strichelung auf den Hängeblätter duften vollerblüht nach Veilchen. Wahrscheinlich ist die am besten bekannte tiefviolette Form dieser Art eine Naturhybride, denn die Wildform ist mehr rötlichpurpur. Es gibt sehr viele Sorten in verschiedenen rotvioletten und blauen Farbspielen. Die Blüten stehen zwischen den schmalen Laubblätten auf 15 bis 20 cm hohen Stielen und sind im März sehr auffällig, in Kombination mit Crocus chrysanthus in Sorten ein sehr hübsches Frühlingsbild.
Anfang März erblüht dann auch Iris bucharica, die Geweih-Iris. In nährstoffreichen Böden wird diese Art bis zu 50 cm hoch, die Blätter sind breit und glänzend grün. Die duftenden Blüten stehen in den Blattachseln, die kleinen weißen Domblätter stehen waagerecht, die Hängeblätter sind cremeweiß mit einem kräftigen dunkelgelben Fleck auf der Spreite. Wunderschön zusammen mit blauen Frühjahrsblühern, z.B. Muscari. Am zusagenden Standort bildet diese Art bald große Bestände bei deren Teilung man sehr vorsichtig sein muss, da die langen fleischigen Wurzeln nicht verletzt werden dürfen.

Der Blütenreigen setzt sich dann mit Iris pumilla einschl. aller Unterarten fort. Diese Gruppe ist je nach Herkunft sehr unterschiedlich in Laub und Blüte. Die Vielzahl der Farben wird von keiner anderen Bartiris erreicht, kennzeichnend ist vor allen Dingen der sogenannte 'Pumillafleck', ein ovaler Farbfleck auf den Hängeblättern, der stets mit der Grundfarbe kontrastiert. Die vorwiegenden Blütenfarben sind gelb, blau und purpurviolett, aber wie die gesamte Pflanze, so varieren auch die Farben stark.
Iris lutescens, syn. Iris chamaeiris, blüht als letzte der echten Zwergiris. Es ist eine sehr variable Art, die Höhe schwankt zwischen 10 und 25 cm. Auch die Blütenfarbe unterliegt erheblichen Veränderungen, von purpurblau bis purpurrot, mittelgelb bis fahlgelb, auch zweifarbige Sports kommen vor. Der Bart ist überwiegend gelb, nur gelegentlich kommen auch blauviolette oder weiße vor. Die Blüte steht immer über den Blättern. Die Pflanze ist sehr empfindlich gegen Winternässe.

Zwergformen der Bartiris gab es sicherlich schon vor 1889 als die heute noch bekannten Sorten "Excelsa", "Florida" und "Formosa" in den Handel kamen. Sie wurden lange Zeit unter der botanischen Bezeichnung Iris pumilla gehandelt, aber höchstwahrscheinlich waren Iris chamaeiris und Iris pumilla die Eltern der heutigen Iris barbata nana Hybriden. Nicht höher als 40 cm dürfen die Zwergiris lt. Regelement werden, dies einzuhalten hängt sehr von dem Nährstoffgehalt des Gartenbodens ab, schon eine Handvoll Dünger kann aus einer Iris barbata nana eine Iris barbata media mit einer Höhe bis zu 70 cm machen. Die Züchtung der Bartiris in allen Klassen findet und fand überwiegend in den USA statt. Dort kreuzte Paul Cook 1935 Iris arenaria, die Sandiris, mit den vorhandenen Hybriden und erzielte damit klare Farben. Der große Durchbruch in der Züchtungsarbeit gelang aber erst nachdem die "echte" Iris pumilla, bis dahin hatte man die vorhandenen Hybriden gekreuzt, wieder eingekreuzt wurde. Durch die Einkreuzung von Iris pumilla in die vorhandenen Gartenhybriden entstanden nun leuchtende Farben, neue Blütentypen und -muster.
Die meisten der heute angebotenen Zwergiris sind Kreuzungen moderner Iris barbata mit Formen von Iris pumilla.

Mitte Mai erblüht Iris barbata media, ungefähr zeitgleich mit Iris florentina, einem Bastard oder einer Varietät von Iris germanica.Iris barbata media darf lt. Regelement 45 bis 70 cm hoch werden.

Iris germanica var. florentina, die grauweiße Variante der Iris germanica, trifft man gelegentlich noch in Weinbergen an. Ich habe sie vor vielen Jahren in den Weinterrassen am Main in der Nähe von Ochsenfurt gesehen. Lange Zeit wurde diese Unterart in der Toskana zur Gewinnung von Irisöl angebaut, das aus den zerschnittenen Rhizomen gewonnen wurde. Heute verwendet man dafür die Rhizome von Iris pallida.
Nun folgen Mitte Mai bis Mitte Juni die hohen Bartiris, Iris barbata, von denen eine unübersichtliche Anzahl von Sorten im Angebot ist und jährlich kommen viele neue hinzu.
Die Art Iris germanica, gärtnerische Bezeichnung Iris barbata, ist von ungeklärter Herkunft. Als sicher anzusehen ist, dass es keine reine Art sondern eine Hybride aus unterschiedlichen Arten ist, die noch nicht alle identifiziert sind. Möglich ist sogar, dass schon Hybriden aus dem vorderasiatischen Raum durch Kaufleute etc. eingeführt wurden. Jedenfalls ist die Benennung durch Linné mit dem Epitheton germanica keine Herkunftsbezeichnung.
Bei den Vorkommen in Deutschland handelt es sich um Gartenflüchtlinge, denn Iris germanica war eine beliebte Pflanze in den mittelalterlichen Burg- und Klostergärten. Die Schwertlilie als Zauberpflanze sollte Burgen und Klöstern Schutz geben. Bei Eroberungen wurden die Pflanzen ausgegraben und mitgenommen.
Iris germanica lässt sich leicht aus Samen ziehen, so entstanden spontan verschiedene Typen und durch die leichte Kreuzbarkeit mit anderen Arten unterschiedliche Varietäten. In unseren Breiten sind die Samen meist steril, in wärmeren Gegenden kommt es zur Selbstaussaat.

Schon um 1800 wurden von Francois von Rawelingen 19 unterschiedliche Domblätter, 18 verschiedene Hängeblätter beschrieben, ca. 70 unterschiedliche Merkmale an Blättern, Rhizomen, Stängeln und Blüten wurden von ihm dokumentiert. Viele der Typen von Iris germanica bekamen im Laufe der Zeit eigene botanische Namen, dies führte und führt immer wieder zu Verwechselungen.
Iris germanica ist ein Hemikryptophyt mit einem starken, verästelten Rhizom. Die dreizähligen Blüten (3 nach unten gebogene, lange Blütenblätter (Hängeblätter), 3 kürzere aufrechtstehende, im Bogen nach innen gerichtete Blütenblätter (Domblätter). Über die Bärte auf den Hängeblättern liegen die Narbenlappen mit je einem Staubblatt. Jede Blüte hat 3 solcher Sektionen, so kann jede Sektion mit Pollen unterschiedlicher Herkunft befruchtet werden.
Die Bartiris lieben volle Sonne und sommerliche Trockenheit, die Rhizome wollen “in der Sonne braten“, um dies zu gewährleisten sollten nur horstigwachsende Begleitpflanzen gewählt werden.
Zeitgleich blühen Iris hollandica, Iris variegata und Iris missouriensis.
Iris hollandica ist die bekannteste Iris überhaupt, in beinahe jedem Floristenstrauß ist sie vorhanden. Sie kommt aus den Glashäusern Hollands zwölf Monate im Jahr in die Blumenläden.
 Die Firma Thunbergen hat sich sehr mit der Züchtung immer neuer Sorten in Form und Farbe hervorgetan. Diese Hybriden sind hauptsächlich aus Kreuzungen der verschiedenen Xiphium Arten entstanden und die botanische Bezeichnung "hollandica" ist sehr irreführend, denn die Xiphium Arten wachsen hauptsächlich in den Ländern am westlichen Mittelmeer. Diese Sorten werden zu sehr günstigen Preisen im Frühjahr zur Auspflanzung im Garten angeboten, ihre Lebensdauer ist sehr begrenzt, meist nur eine Saison.
Iris hispanica = Xiphium vulgare, die spanische Iris ist sehr variabel, es gibt zahlreiche lokale Varietäten und auch einige Sorten sind noch erhalten. Die Iris-Hispanica-Hybriden waren bis 1955/1960 als Schnittblumen sehr verbreitet, wurden dann aber von den sogenannten holländischen Iris abgelöst.
Mitte Mai bis Mitte Juni blühen dann Iris variegata und Iris missouriensis.

Iris variegata ist eine hübsche Steingarten Pflanze für trockene Lagen, vermehrt wird durch Teilung oder auch Aussaat. Naturstandorte findet man in Österreich, Slowenien, Rumänien und Ungarn, es soll auch einige Standorte in der Nähe von München geben. In Deutschland ist die Art streng geschützt.
Die Höhe der Blüte schwankt zwischen 15 und 25 cm, die Laubblätter ziehen im Herbst vollständig ein. Die Hauptblätter der gelben Blüten haben eine blaue Aderung, die manchmal so extrem dicht ist, dass optisch ein bräunlicher Fleck entsteht. Die Blüten sitzen überwiegend zu zweit an den teilweise verzweigten Stängeln. Es gibt einige wenige Varietäten.

Iris missouriensis kommt wild in den Rocky Mountains vor, von British Columbia (Canada) bis Kalifornien (USA), von dort hat sie sich ausgebreitet bis nach Dakota. Die größten Wildbestände gibt es noch heute im Hügelland entlang des Missouris. Diese Art braucht offene Flächen und volle Sonne, nach der Blüte darf der Boden sogar völlig austrocknen.
Diese Art wächst straff aufrecht, die Blütenstängel überragen das schmale Laub um 10 bis 15 cm, die Stängel sind verzweigt und die Blüten stehen zu 2 - 4 in Büscheln. Die sehr schmalen, weiß bis hellblauen, dicht zartlila gestreiften Domblätter sind selten breiter als 1 cm, die Hängeblätter sind meist zart hellblau, purpurlila gesteift. Sie sind in etwa doppelt so breit wie die Sepalen. Das Rhizom breitet sich stark aus.

Bis Mitte Juni folgt dann Iris sibirica einschließlich ihrer Hybriden, Iris sanguinea "Snow Queen", Iris pseudocarus und Iris graminea.
Die vielen Synonyme für Iris sibirica deuten schon an, dass diese Art ein sehr großen Verbreitungsgebiet hat. Schon seit dem Mittelalter wird diese Art als Gartenpflanze geschätzt, sehr früh wurden unterschiedliche Varietäten selektiert. Bekannt geworden sind ein weißer und rotvioletter Typ. Es gibt sehr viele Züchtungen, eine hübscher als die andere.

Um 1900 wurde in Japan die weiße Iris sanguinea entdeckt, die heute noch unter dem Namen "Snow Queen" im Handel ist. Iris sanguinea hat die gleiche Chromosomenzahl wie Iris sibirica und war daher der ideale Kreuzungspartner. Bis dahin fand die Züchtung von Sorten der Iris sibirica ausschließlich durch Selektion von Sämlingen statt, nun wurde gezielt zwischen den beiden Arten gekreuzt.

In der Natur wächst Iris pseudocarus oft in Gesellschaft mit Schilf an Bächen und Teichufern. Sie wird auch im Garten gern für Uferbepflanzungen verwendet.
Nach einigen Jahren kann man feststellen, dass die Art sich aussät und auch an trockenen Gartenplätzen schnell umfangreiche Horste bildet, die viel üppiger blühen als die Exemplare am Teichrand.
Man sollte daher unbedingt darauf achten, dass die Samenkapsel rechtzeitig entfernt werden, denn einmal eingewachsene Sämlinge lassen sich schlecht entfernen.

Von der Biskaya bis zur Wolgamündung reicht das natürliche Verbreitungsgebiet der "Pflaumenduftiris", Iris graminea. In diesem sehr großen Gebiet sind unterschiedliche Formen bekannt, die hauptsächlich in der Breite der Blätter und der Höhe variieren. Die mitteleuropäische Art hat schmales, beinahe grasartiges Laub. Die kurzen nur 10 bis 20 cm langen Blütenstängel sind abgeflacht und tragen zwei Blüten, die tief in dem Blatthorst sitzen. Die Hängeblätter sind kreisförmig bis oval, die Domblätter breitlanzettlich und kürzer als die Hängeblätter. Das Farbspektrum reicht von blauviolett bis purpurviolett. Es ist eine sehr alte Gartenpflanze, die, obwohl sie ihre Blüten gut im Laub versteckt, wegen ihres fruchtigen Duftes sehr beliebt ist. Angeblich hilft häufiges Verpflanzen, alle 2 bis 3 Jahre, gegen den zu tiefen Sitz der Blüten. Verjüngen bzw. teilen der Pflanze regt zur Blütenbildung an.
In der zweiten Junihälfte folgen Iris laevigata, Iris spuria und ihre Hybriden.
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